Angst vor der Zahnspange: Wie wir Kindern die Nervosität nehmen

„Tut das weh?“ ist fast immer die erste Frage, wenn bei Kindern das Thema Zahnspange aufkommt. Meistens steckt keine eigene Erfahrung dahinter, sondern eine Geschichte vom Schulhof oder eine Szene aus einer Serie. Diese Nervosität lässt sich fast immer auflösen. Es braucht nur den richtigen Umgang, zu Hause und in der Praxis. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, worauf es dabei ankommt.
Woher die Angst kommt
Kinder haben selten Angst vor der Zahnspange selbst. Sie haben Angst vor dem, was sie sich darunter vorstellen: Schmerzen, fremde Hände im Mund, keine Kontrolle über die Situation, und die Sorge, damit komisch auszusehen. Wenn man diese Punkte ruhig und konkret anspricht, werden sie kleiner.
Zwei Fehler machen es schlimmer. Der erste: gar nicht darüber reden, bis das Kind im Behandlungsstuhl sitzt. Dann trifft es unvorbereitet auf eine neue Situation. Der zweite: tagelang darüber reden. Dann wird das Thema größer, als es ist. Einmal ruhig erklären, Fragen zulassen, fertig.
Kinder spüren außerdem, ob die Eltern selbst angespannt sind. Wer den Termin gelassen behandelt, nimmt dem Kind schon die halbe Unsicherheit.
Was Sie zu Hause tun können
Sachlich bleiben statt überreden. „Das ist doch nicht schlimm, stell dich nicht so an“ bringt nichts. Besser: „Am Anfang fühlt es sich vielleicht ungewohnt an. Nach ein paar Tagen ist das weg.“ Ehrlich, ruhig, ohne Drama.
Eigene alte Geschichten für sich behalten. Ihre Spange von früher ist für Ihr Kind kein hilfreicher Maßstab. Die Methoden haben sich verändert.
Den Termin nicht als Drohung benutzen. „Wenn du deine Zähne nicht putzt, musst du zum Kieferorthopäden“ verknüpft die Praxis mit Strafe. Genau das wollen wir vermeiden.
Auch unbequeme Fragen ernst nehmen. „Sehe ich damit blöd aus?“ ist eine echte Frage und verdient eine echte Antwort.
Nach dem Termin kein großes Aufheben. Ruhig zum Alltag übergehen. Eine kleine Aufmerksamkeit ist okay. Ein Heldenempfang lässt den Besuch im Nachhinein schlimmer wirken, als er war.
Wie wir in der Praxis vorgehen
Beim ersten Termin wird nichts eingesetzt. Wir zeigen die Instrumente, erklären in einfacher Sprache, was passiert, und lassen Zeit zum Anschauen. Was ein Kind kennt, macht ihm weniger Angst.
Wir kündigen jeden Schritt an, bevor wir ihn machen. Und wir vereinbaren ein Stopp-Signal: Hand heben, dann machen wir Pause. Diese Möglichkeit, selbst zu unterbrechen, nimmt viel Druck. Genutzt wird sie fast nie, sobald sie einmal da ist.
Bei sehr ängstlichen Kindern gehen wir in kleineren Schritten vor und teilen Termine auf. Vertrauen entsteht nicht unter Zeitdruck. Wir sagen auch nicht „das spürst du gar nicht“, wenn ein leichtes Druckgefühl normal ist. Ein Kind, das weiß, was kommt, ist hinterher nicht enttäuscht.
Wenn Ihr Kind generell Angst vor Zahnbehandlungen hat, sagen Sie uns das bitte schon bei der Terminvereinbarung. Dann planen wir von Anfang an mehr Zeit ein.
Die ersten Tage mit der neuen Spange
Ein Druckgefühl in den ersten Tagen ist normal. Es heißt, dass die Zähne sich bewegen, und lässt dann nach. Ausführlich haben wir das im Beitrag zu Schmerzen mit der Zahnspange beschrieben. Was hilft:
- Weiche Kost: Nudeln, Joghurt, Suppe, Rührei
- Kühles Wasser trinken oder etwas Kaltes essen
- Bei Bedarf ein Schmerzmittel, das der Kinderarzt empfohlen hat, in üblicher Dosierung
- Druckstellen an der Wange mit dem Wachs abdecken, das Sie von uns bekommen
- Dem Kind sagen, dass das Gefühl vorbeigeht
Wenn eine Reizstelle mehrere Tage bleibt oder sich ein Draht löst, rufen Sie an. Solche Kleinigkeiten sind schnell behoben.
Häufig gestellte Fragen
Ab welchem Alter kommen Kinder mit einer Zahnspange zurecht?
Das hängt mehr von der Vorbereitung ab als vom Alter. Auch jüngere Kinder machen gut mit, wenn sie wissen, was passiert. Wann eine Behandlung sinnvoll beginnt, lesen Sie unter Zahnspange für Kinder: Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Mein Kind hat generell Angst vor Zahnbehandlungen. Was tun?
Sagen Sie uns das bei der Terminvereinbarung. Wir planen dann mehr Zeit ein und fangen betont ruhig an.
Soll ich beim Termin dabei sein?
Bei jüngeren Kindern in der Regel ja. Bei älteren entscheiden wir gemeinsam. Manche sind ohne Publikum entspannter.
Hilft es, vorher viel über die Zahnspange zu sprechen?
Ein ruhiges Gespräch reicht. Zu viele Erklärungen über Tage hinweg machen die Anspannung eher größer.
Weitere Antworten finden Sie in unseren häufigen Fragen.
Termin vereinbaren
Wenn Ihr Kind vor der ersten Zahnspange nervös ist, sagen Sie uns Bescheid. Wir gestalten den ersten Termin ohne Druck und nehmen uns die Zeit. Vereinbaren Sie jetzt einen Termin in unserer Praxis in Frankfurt.
Über den Autor: Dr. Felix Bergschneider ist Fachzahnarzt für Kieferorthopädie und führt seine Praxis in Frankfurt am Main.