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Offener Biss: Ursachen und Behandlung bei Kindern und Erwachsenen

Lachendes Kind im Behandlungsstuhl der kieferorthopädischen Praxis in Frankfurt

Wenn Sie die Zähne zusammenbeißen und vorne bleibt trotzdem eine Lücke, liegt vermutlich ein offener Biss vor. Viele Betroffene merken es zuerst beim Essen: Nudeln oder ein Salatblatt lassen sich mit den Schneidezähnen kaum abbeißen. Dr. Felix Bergschneider, Kieferorthopäde in Frankfurt, erklärt, wie ein offener Biss entsteht, welche Folgen er haben kann und wie er bei Kindern und Erwachsenen behandelt wird.

Was ist ein offener Biss?

Beim offenen Biss berühren sich obere und untere Zähne in einem Bereich nicht, obwohl der Mund geschlossen ist. Man unterscheidet:

  • Frontal offener Biss: Die Lücke liegt zwischen den Schneidezähnen – die häufigste Form.
  • Seitlich offener Biss: Backenzähne auf einer oder beiden Seiten haben keinen Kontakt.
  • Dentaler vs. skelettaler offener Biss: Beim dentalen offenen Biss stehen „nur“ die Zähne falsch, beim skelettalen ist das Wachstum der Kieferknochen selbst betroffen.

Ursachen eines offenen Bisses

  • Daumenlutschen und Schnuller: Werden sie über das dritte bis vierte Lebensjahr hinaus genutzt, drücken sie die Frontzähne auseinander.
  • Zungenpressen (Zungenfehlfunktion): Schiebt sich die Zunge beim Schlucken zwischen die Zähne – und wir schlucken weit über tausend Mal am Tag –, hält sie den Biss dauerhaft offen. Das ist auch bei Erwachsenen eine häufige Ursache.
  • Mundatmung: Vergrößerte Mandeln, Polypen oder Allergien führen zu offener Mundhaltung und verändern die Muskelbalance.
  • Vererbung: Ein vertikal betontes Kieferwachstum kann genetisch angelegt sein.

Welche Folgen hat ein offener Biss?

  • Eingeschränkte Abbeißfunktion: Die Schneidezähne können ihre Aufgabe nicht erfüllen.
  • Überlastung der Backenzähne: Die gesamte Kauarbeit lastet auf wenigen Zähnen.
  • Sprechprobleme: Häufig ist ein Lispeln bei S- und Z-Lauten zu hören.
  • Kiefergelenk: Die ungleiche Belastung kann zu Beschwerden beitragen – siehe Kieferknacken und Schmerzen im Kiefergelenk.
  • Ästhetik: Die sichtbare Lücke beim Lächeln belastet viele Betroffene.

Offener Biss bei Kindern: früh handeln lohnt sich

Bei Kindern ist die Prognose besonders gut, wenn die Ursache rechtzeitig abgestellt wird. Wird das Daumenlutschen früh aufgegeben, kann sich ein leichter offener Biss sogar von selbst schließen. Bleibt er bestehen, setzen wir an der Funktion an: Mit dem Myobrace-System trainieren Kinder eine korrekte Zungenlage, Nasenatmung und Lippenschluss. Ergänzend kommen herausnehmbare Zahnspangen mit Zungengitter infrage. Oft arbeiten wir dabei mit Logopädie zusammen.

Ein offener Biss gehört zu den Befunden, bei denen die gesetzliche Krankenkasse je nach Ausprägung die Kosten übernimmt. Wie die Einstufung funktioniert, erklärt unser Beitrag zu den KIG-Stufen. Einen ähnlich wichtigen Frühbefund beschreiben wir im Beitrag Kreuzbiss bei Kindern.

Offener Biss bei Erwachsenen: die Behandlungsoptionen

Invisalign

Für viele dental bedingte offene Bisse sind Invisalign Schienen gut geeignet. Die Aligner können die Frontzähne gezielt verlängern und gleichzeitig die Backenzähne leicht intrudieren („eindrücken“) – eine Bewegung, die mit Schienen oft sogar besonders gut gelingt, weil die Schiene selbst wie ein Aufbiss wirkt.

Feste Zahnspange

Bei ausgeprägteren Fällen kommt eine feste Zahnspange für Erwachsene zum Einsatz, gegebenenfalls unterstützt durch kleine Mini-Implantate als Verankerung.

Kombinierte Kieferchirurgie

Ist der offene Biss skelettal bedingt und stark ausgeprägt, reicht eine reine Zahnbewegung nicht aus. Dann ist eine kombinierte kieferorthopädisch-kieferchirurgische Behandlung sinnvoll – in diesem Fall beteiligt sich die gesetzliche Krankenkasse auch bei Erwachsenen. Hintergründe finden Sie im Beitrag zur Dysgnathie.

Die Zunge nicht vergessen

Ganz gleich, welche Apparatur: Wenn die Zunge weiterhin gegen die Zähne drückt, droht ein Rückfall. Deshalb gehören myofunktionelle Übungen und ein konsequent getragener Retainer fest zum Behandlungskonzept.

Häufige Fragen zum offenen Biss

Wächst sich ein offener Biss bei Kindern aus?

Manchmal. Wird das Daumenlutschen früh beendet, kann sich ein leichter frontal offener Biss selbst schließen. Bleibt die Lücke nach dem Zahnwechsel bestehen, sollte ein Kieferorthopäde untersucht werden.

Kann man einen offenen Biss mit Invisalign behandeln?

Ja, viele dental bedingte offene Bisse lassen sich mit Invisalign sehr gut korrigieren. Bei skelettalen Ursachen kann eine Kombination mit Kieferchirurgie nötig sein.

Ist ein offener Biss gefährlich?

Nicht akut, aber er führt zu Fehlbelastungen der Backenzähne und kann Kiefergelenk und Aussprache beeinträchtigen. Eine Behandlung ist daher meist sinnvoll.

Wie lange dauert die Behandlung eines offenen Bisses?

Je nach Ausprägung zwischen etwa einem und zwei Jahren, plus Stabilisierungsphase mit Retainer.

Ist eine Operation immer notwendig?

Nein. Eine Operation ist nur bei ausgeprägten skelettalen Formen im Erwachsenenalter erforderlich. Die meisten Fälle lassen sich rein kieferorthopädisch behandeln.

Offenen Biss untersuchen lassen in Frankfurt

Ob bei Ihrem Kind oder bei Ihnen selbst: Dr. Felix Bergschneider findet in der Erstberatung heraus, ob der offene Biss dental oder skelettal bedingt ist und welche Behandlung den größten Erfolg verspricht. Sie finden unsere Praxis in Frankfurt-Ostend, Louis-Appia-Passage 9, direkt am Ostbahnhof. Jetzt Termin online vereinbaren.